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Deepark Chopra und die Epstein-Insel

  • Autorenbild: Petra von Alvensleben
    Petra von Alvensleben
  • 6. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Auf meiner website zitiere ich Chopra. Ich wusste, dass auch er Schattenseiten hatte. Nun wird öffentlich, dass er auch in den ganzen schmutzigen Epstein-Skandal verwickelt ist – wie so viele.

Wie verhalte ich mich nun zu diesem Zitat, welches mir nach wie vor klug erscheint?

Nun, ich nehme dies zum Anlass, grundsätzlich über Spiritualität und Führung nachzudenken.


Es geht um folgende Worte: „Religion bedeutet, an die Erfahrungen anderer zu glauben. Spiritualität bedeutet, seine eigenen Erfahrungen zu machen.“

Der Satz hat Kraft.

Aber man kann ihn – wie so viele „weise“ Äußerungen – auch missbrauchen. Nämlich indem man Kindern (und auch den Erwachsenen) einredet, frühsexuelle Erfahrungen mit Erwachsenen dienen zu genau der Erfahrung, die dich bereichert und stärkt. Alles im Leben sei Erfahrung und deshalb auch richtig.

Es gibt in der spirituellen Welt noch vielerlei solcher Äußerungen. Z.B.: „alles ist Schicksal“, „Du bist damit in Resonanz und hast das angezogen“, „Die Kinder suchen sich ihre Eltern aus“, „du bist selbst dafür verantwortlich, deine Situation zu ändern“


etc, etc.


Diese Sätze mögen auf einer höheren Ebene ihre Richtigkeit haben. In konkreten Fällen werden sie aber häufig missbraucht. Sie werden von einem Guru in einer Gruppe angewendet und dann gerne von der gesamten Gruppe unreflektiert wiederholt.

Wenn z.B. jemand als Kind sexuellen Missbrauch erfahren hat, dann darf er dies verurteilen, darf wütend und traurig sein, darf lernen, sich künftig abzugrenzen und seinen eigenen Raum zu verteidigen. Er/ sie muss kein Mitgefühl für den Täter aufbringen.

Erst später auf dem Weg der „Bearbeitung“ und Selbstreflexion können Erkenntnisse auftreten wie: diese Erfahrung hat mich stark gemacht.... nun kann ich auch den Täter sehen und seine eigene Opferrolle.....ich akzeptiere diese Erfahrung als Schicksal auf meinem Weg....als ich das Thema noch nicht „erlöst“ hatte, bin ich immer mit Situationen in Resonanz gegangen, die in irgendeiner Form missbräuchlich gewesen sind“.....

Dieser Weg MUSS aber begangen werden. Man darf keinen Schritt auslassen. Und: die Erkenntnis muss in einem selbst auftauchen. Sie darf nicht als hohler Satz von außen kommen. So eine Erkenntnis nennt man dann „Erleuchtung“ - wenn einem ein Licht aufgeht.

Alle spirituellen Abkürzungen sind eine Lüge und dienen nicht der Heilung, sondern „produzieren“ eine Gesellschaft, die sich ständig erneut in Abhängigkeiten begibt. Sie fördern Missbrauch statt selbständige und selbstbewusste Menschen hervorzubringen. Wir sehen das Ergebnis seit Jahrhunderten.


Ich möchte etwas Grundsätzliches zu Spiritualität und Führung sagen:


Ich verstehe nun, warum frühere schamanische Stammesführer und Medizinmänner und -frauen ihr Wissen nur „Auserwählten“ gelehrt haben. Dieses Wissen ist im Grunde recht leicht zu erlernen. Es ist Magie. Wir alle können das in irgendeiner Form. Z.B. sind wir in der Lage, mit Gedanken zu manifestieren. Doch diese Magie ist mächtig. Man kann viel Unheil anrichten. Stichwort Schwarze Magie, Schadenszauber, Liebeszauber, Manipulation von Menschen. All dies ist möglich.

Somit darf dieses kraftvolle Werkzeug nur in die Hände von Menschen, die innerlich gefestigt sind und es zum Wohle aller einsetzen. Sie müssen sich sehr bewusst darüber sein, was sie da tun. Sie müssen die Konsequenzen ihres Handelns bestens abzuschätzen in der Lage sein.


Wir brauchen meines Erachtens „Führer/-innen“. Gleichzeitig sollten wir selbstständig denken und handeln. Dies schließt sich nicht aus, sondern bedingt sich. Ein guter Führer hat genau dies im Sinn: die Selbstständigkeit der Menschen, die ihn um Führung bitten. („Wer Menschen führen will, muss hinter ihnen gehen“, Ghandi)

Auf die Kinder bezogen bedeutet dies, dass wir als Erwachsene eine Verantwortung für ihre Sicherheit haben. Wir müssen ihnen beibringen, ihre Grenzen zu erkennen und benennen zu lernen. Wir müssen sie schützen, solange es nötig ist. Wenn wir sehen, dass ein Kind Schaden nimmt, ist es unsere Pflicht, einzuschreiten. Wir dürfen nicht wegsehen.


Mit dem unreflektierten Gebrauch spiritueller Allgemein-Aussagen rechtfertigen wir oft unsere eigene Feigheit und unsere Ablehnung, Verantwortung zu übernehmen.

„Da darf ich mich nicht einmischen“, „Jeder ist für sich selbst verantwortlich“ etc.

Natürlich ist es immer ein schmaler Grat zur Übergriffigkeit. Natürlich dürfen wir nicht ungefragt in das Leben und das Schicksal anderer eingreifen. Dies wäre auch eine Form der schwarzen Magie.

Den genauen Unterschied jedoch zu spüren ist Erfahrung, Intuition und eben auch lernen durch Vorbilder, durch Führer.

An den entscheidenden Positionen in unserer Gesellschaft – Politik, Kirche, Lehrer, Ärzte... - stehen oft Menschen, die selbst nicht gereift sind. Sie kompensieren in ihrer Machtposition eigene Unzulänglichkeiten. So entsteht Missbrauch. Sie spielen Wissen und Kompetenz vor und ziehen jene an, die händeringend nach Führung, Heilung und Beratung suchen. Es entsteht eine Dynamik, wie wir sie aus Sekten kennen: Abhängigkeiten.

Die Menschen in solchen Gruppen nehmen unreflektiert die Aussagen des „Lehrers“ auf und verlangen dies auch von ihren Mitmenschen. Sie sanktionieren sich irgendwann gegenseitig....das muss die führende Person an der Spitze gar nicht leisten...das kranke System besteht aus Strukturen, die sich selbst reproduzieren.


Was tue ich nun mit dem obigen Zitat von Chopra? Ich denke, ich lasse es auf der website mit dem Hinweis auf diese Gedanken, die alle einladen, selbst auch darüber nachzudenken.


Es gibt viel mehr noch zu sagen zu diesem Thema, nicht wahr? Unsere Gesellschaft ist seit Jahrhunderten genau so strukturiert. Im Grunde leben wir seither in sektenähnlichen Strukturen. Vielleicht entsteht nun deshalb dieses Chaos hier auf Erden. Vielleicht sind diese Zeiten wirklich eine große Chance, die alten kranken Denkweisen aus Religion, Politik und Lehre über Bord zu werfen und uns wieder an die echten schamanischen Werte anzubinden. Vielleicht erkennen wir nun wieder die Naturgesetze und die Gesetze des Kosmos. Vielleicht erinnern wir uns wieder, wer wir sind.

Vielleicht lösen wir den Begriff des „Führers“ aus seinem negativen Mantel. Führen ohne zu missbrauchen – das geht. Aber nur jene sind dazu berufen, die gelernt haben durch das Leben. Es gehört tiefe Demut dazu. Im Grunde ist es ein „Dienen“.


Man wird sehen, was weiter geschieht.

Bis dahin bleiben wir angebunden an Zuversicht und Vertrauen ohne dabei naiv zu sein oder uns völlig vom Weltgeschehen abzuwenden.....und: trainieren wir unsere Fähigkeiten


 
 
 

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