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  • Petra von Alvensleben

Heyoka-Medizin....zurück von etwas

Zurück von etwas, das ich nicht erklären kann, danach nochmals durch Teile der eigenen Geschichte gegangen, stehe ich nun hier und ahne, was es heißt, den Weg des Heyoka zu gehen.



Der Heyoka ist ein Clown. Eine sehr mächtige Medizinfrau/-mann.

Er ist der Trickster im Tarot.

Ich erkenne viel – und weiß danach gar nichts mehr.

Ich sehe, wie wir uns um Theorien bemühen, die alle auch gut sind – und ich weiß, dass wir gar nicht so viel bewirken, wie wir denken.

Ich finde es wichtig und richtig, Wahrheiten zu benennen, Täter und Opfer zu sehen – und ich weiß, dass beides nur eine Illusion ist, denn beides wohnt in uns.

Ich ermutige Menschen, ihre Geschichte anzuschauen, damit sie frei sein können – und doch weiß ich, dass wir immer ein Teil der Geschichte sein werden.


Mitakuye oyasin – alle meine Brüder und Schwestern – wir sind alle miteinander verwandt.

Wir sollten erwachsen werden, Autonomie und Selbstbestimmung anstreben – und doch müssen wir weiter die Netze weben, uns mit anderen austauschen, und doch ist es der Kontakt mit den anderen, der uns wachsen lässt. So ganz autonom sind wir nicht.

Wir sollten vertrauen, und müssen doch wachsam sein – nicht naiv.

Wir grenzen uns von Mutter und Vater ab – und doch wohnen sie in uns und wir müssen sie in uns „heilen“.

Für mich ist es der schamanische Weg, der mich antreibt.

Zwar besitze ich kein Bärenfell oder tanze ums Feuer, noch bin ich in fernen Ländern wie Sibirien, Canada, Peru gewesen, um mich von einem Erfahrenen hab initiieren lassen.

Doch mein großer Lehrmeister ist meine eigene Geschichte, mein eigener Weg.

Wenn ich um Wissen gebeten habe, hat mich das Leben in eine Situation geworfen, in der ich Wege erkennen konnte – wenn ich das wollte und es mir möglich war.

Ich hatte oft nur wenig Geld, konnte mir keine Privat-Therapien leisten und auch nicht auf die großen Aufsteller-Kongresse fahren.

Und so war ich aufgefordert, die Zeichen zu deuten, die mir das Leben bei meiner Bitte um Hilfe vor die Füße geworfen hat. Ich musste mich an das Wissen anbinden, das bereits im Raum lag – hier auf der Erde: ein Baum, Krafttiere in den schamanischen Reisen, ein Werbeslogan, ein gutes Buch, selber aufstellen mit Steinen/ Figürchen/ Muscheln...

Und ich hatte 1-2 vertraute Kollegen.

Der schamanische Weg sagt:

Du musst an nichts glauben, was du nicht selbst erfahren hast!

Er glaubt auch an eine höhere Macht. Die Ureinwohner Amerikas nennen diese „das große Geheimnis“ und legen den mittleren Stein des Medizinrads als Symbol dort hinein.

Immer mehr fühle ich mich dort zuhause – auf diesem schamanischen Weg. Er ist so echt. Und ich erkenne die Größe und die Heilkraft der Heyoka-Medizin.

Dieser Clown vereint die Widersprüche:

er lacht, wenn es traurig ist, und er weint, wenn alle fröhlich sind.

Er macht aufmerksam, dass es immer auch die andere Seite noch gibt.


Wir werden hier auf der Erde die Dualität nicht dadurch überwinden, indem wir das Böse und Dunkle ausgrenzen oder zu „heilen“ versuchen (bei „Lichtarbeit“ könnte ich kotzen), sondern indem wir uns dessen bewusst sind und seine Existenz anerkennen.

Franz Ruppert (Aufsteller, Traumatherapeut, Psychologie-Professor in Heidelberg) will m.E. allen eine Trauma-Therapie verordnen, damit keine bösen Übergriffe mehr stattfinden, und Langlotz (Psychiarter, Aufsteller in München) will m.E. uns lehren, uns von allem abzugrenzen, auch vom eigenen Trauma, damit wir endlich wir selbst sind….(überspitzt formuliert...)

Trauma wird es immer wieder geben und abgrenzen kann man sich auch nicht von allem und jeden.

Ich glaube, wir sollten zunächst „das Dunkle“ anerkennen und wissen, dass wir immer beides sind.

Fatal ist es nur, eine Abkürzung nehmen zu wollen. Wenn wir die großen Weisheitslehren in uns aufsaugen und glauben, wir könnten unsere Feinde schon lieben, dann sind wir auf dem Holzweg. Ying und Yang ist ein Ziel, das wir vielleicht nie wirklich erreichen – nur anstreben können...Den Weg der Weisheit muss man sich verdienen.

Hat Albrecht Mahr (Systemaufsteller) nicht gesagt:

„Weisheit kommt nicht zu den Faulen“?


Wir schauen unsere Schmerzen an, benennen Täter und Opfer, wir grenzen uns ab, verteidigen unseren Raum, erkennen unser Selbst, um dann schließlich – aber auch erst dann – zu erkennen, dass wir alle eingebunden sind in größere Dynamiken, aus denen wir manchmal nicht so einfach herausfinden. Dass wir alle Täter und Opfer sind.


Wenn ich meine Eltern als Täter erkenne, dann sollte ich mich danach fragen: Wo bin auch ich Täter an meinen Kindern geworden? Wo waren meine Eltern Opfer?

Erst, wenn beides gesehen wird – Schritt für Schritt und nicht zu schnell – dann erst kann man erkennen: ich bin genau wie Mutter und Vater. Oder wie Hitler. Oder, oder, oder…

Und genau dadurch kann ich anders werden...paradox...

Auf dem schamanischen Weg arbeitet man auch mit „Energien“. Nicht alles, was auf uns wirkt, ist sofort benennbar. Es ist nicht immer so, dass wir nur das Trauma anschauen und benennen müssen.

Unausgesprochene Verbote, Flüche, mörderische Gedanken und Drohungen, die wir gerade als Kinder zwar wahrnehmen, aber nicht orten können, wirken auf alle Beteiligten.

Im Seminar sind die Stellvertreter davon betroffen und auch die Seminarleitung.

Es ist wichtig um diese Kräfte zu wissen. Sie beeinflussen im Untergrund (oft unbemerkt) das Geschehen.

Etwas mysteriöser ausgedrückt: schwarze Energien, dunkle Wesenheiten sind nicht

anderes als z.B. die unterschwellige aber nicht ausgesprochene Drohung des Vaters, keine Ereignisse aus der Familie nach außen zu tragen.

Es gibt Schamanen, die sprechen von einem „Trauma-Geist“, als wäre es eine Figur.


Ich mache schamanische Aufstellungen – was heißt das?

Ich gehe mit der Gruppe wie eine Bergführerin: ich mute ihnen ihren eigenen Weg zu und lasse sie dadurch in ihre Kraft kommen. Sie sollen selbst laufen. Doch ich kenne das Gelände und weiß um die Gefahren. Somit bin ich wachsam, gebe hier und da Hilfestellung und Tipps, wo es nötig ist. Dadurch wachsen die Teilnehmer über sich heraus.

Ich stelle ihnen also mein Wissen und meine Erfahrung zur Verfügung.

Manchmal kann ich nichts machen. Wenn ein Fels hinunterfällt – vielleicht sind wir dann alle tot. Risiken und Gefahren gibt es. Doch ich weiß um viele Kräfte, weiß, ich habe auch noch viel zu lernen.

Und mit jeder Tour, mit jeder Aufstellung, in der ich meine Erfahrung anbiete, damit die anderen wachsen können, wächst auch meine Erfahrung wieder ein Stück mit.

Die Teilnehmer lehren mich – und ich lehre sie.

Ich führe, und doch lasse ich mich führen.

Ich bin auf jeder Tour bereit, das bereits Gelernte wieder neu in Frage zu stellen….

Und so geht’s immer wieder von vorne los – es hat keinen Anfang und kein Ende. Das Leben ist ein Kreis….Mich lässt das nicht resignieren – es stimmt mich vergnüglich..

Das ist Heyoka-Medizin….


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